Die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Wir wissen seit einigen Jahren, dass Gebärmutterhalskrebs eine Infektionserkrankung ist. Es gibt sehr viele verschiedene Viren aus der Gruppe der humanen Papilloma-Viren, die in erster Linie sexuell übertragen werden.

Wer ist gefährdet?

In der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen haben wahrscheinlich ca. 60 % der deutschen Bevölkerung Kontakt zu mindestens einem dieser Viren.

Die Viren können sich in die Zellen der Schleimhaut des Gebärmutterhalses integrieren, stoßen dabei ihre äußere Hülle ab und integrieren sich im Zellkern in das Erbgut der Zellen – zunächst, um sich dort zu vermehren und weiter zu verbreiten. Manchmal können sie auch im Zellkern ruhen und später in der infizierten Zelle die Entstehung einer Krebszelle auslösen. Dies geschieht insbesondere bei den Viren aus der so genannten High-risk-Gruppe, insbesondere bei den Typen 16 und 18.

Impfung als Schutz gegen Neuinfektion

Es gibt zurzeit drei verschiedene Präparate, mit denen wir gegen HP-Viren impfen können. Die Impfung bewirkt bei den Geimpften die Bildung von Antikörpern gegen HPV und zwar gegen die äußere Hülle der Viren. Die Antikörper befinden sich in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses und zerstören die Viren, noch bevor sie in eine Zelle eindringen können.

Die Antikörper wirken aber nicht gegen Viren, die sich schon in den Zellkern integriert haben. Das bedeutet, dass die Impfung nur Schutz gegen eine Neuinfektion bietet.

Studien haben einen signifikanten Erfolg der Impfung gezeigt, wenn Mädchen der Altersgruppe 9–26, die HPV negativ waren und noch nie Geschlechtsverkehr hatten, geimpft wurden. Es zeigten sich deutlich weniger Zellveränderungen in den folgenden Jahren.

Fachleute gehen von einem 70-prozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs aus, wenn tatsächlich vor dem ersten Kontakt zu den Viren geimpft wurde, und von einem ca. 30-prozentigen Schutz, wenn schon Geschlechtsverkehr stattgefunden hatte.

9-fach Impfstoff bekämpft größten Teil der bekannten Viren

Leider werden von den zurzeit verfügbaren Impfstoffen nicht alle existierenden Viren erfasst. Es gibt aber seit dem 1. April 2016 einen neuen 9-fach Impfstoff, der den größten Teil der bekannten Viren erfasst.

Bewährte Impfung

Die HPV-Impfung ist seit 2006 auf dem Markt und wird mittlerweile als vollständig sicher angesehen. Sie wird für Mädchen im Alter von 9–14 Jahren empfohlen.

Die Impfungen finden im Verlauf eines halben Jahres statt:

  • Bei Mädchen im Alter von 9–14 Jahren werden zwei Impfungen benötigt, da die Immunantwort in diesem Alter stärker ist.
  • Ab dem 15. Lebensjahr werden drei Impfungen gegeben.
  • Nachholimpfungen für ungeimpfte Mädchen bis 18 Jahre sind weiterhin möglich und werden auch von den Kassen übernommen.

Weitere Gruppen für die HPV-Impfung

Es gibt zunehmend Hinweise, dass eine Impfung nach der Therapie einer Dysplasie schützt. Außerdem wird diskutiert, junge Frauen auch nach dem 26. Lebensjahr zu impfen, genauso wie Männer, da man auch bei ihnen HPV-assoziierte Zellveränderungen, z.B. an der Mundschleimhaut, feststellen kann.

Für diese Personengruppen gibt es zurzeit allerdings keine generelle Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Ungeimpfte Frauen zwischen 18 und 26 Jahren sollten sich aber an ihre Krankenkasse wenden, denn in dieser Altersgruppe kann eine individuelle Kostenübernahme beantragt werden.

Nebenwirkungen der HPV-Impfung

Es gab viele Diskussionen um die Nebenwirkungen der HPV-Impfung. Es gibt – wie auch bei anderen Impfungen – Nebenwirkungen: Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötungen, Abgeschlagenheit, leichte Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen. Auch leichte und schwerere Allergien mit Atemnot bis hin zum Schock mit Nierenversagen sind möglich.

Doch treten Impfreaktionen bei der HPV-Impfung nicht in höherem Maße auf, als bei anderen Impfungen. Ein Zusammenhang zwischen der Impfung und einzelnen ungeklärten Todesfällen, die in zeitlich nahem Zusammenhang nach der Impfung auftraten, konnte nicht belegt werden.

Insgesamt ist die Impfung von der STIKO (Ständigen Impfkommission) und dem Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen zurzeit für 9- bis 18-Jährige Mädchen empfohlen. Möglicherweise besteht sogar ein Nutzen für alle Frauen – hierzu fehlen allerdings noch Studien.

Impfung ersetzt Zellabstrich nicht

Die Impfung dient zwar der Vorsorge, kann aber einen Zellabstrich nicht ersetzen. Daher ist die Krebsvorsorgeuntersuchung mit den bekannten und seit Jahren durchgeführten Zellabstrichen vom Gebärmutterhals zur Früherkennung von Zellveränderungen auch weiterhin erforderlich.

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