Wie „sicher" ist „sicher"?

Es gibt unterschiedliche Arten, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Jede Frau, jedes Paar muss für sich herausfinden, welche Methode am sympathischsten ist. Doch es gilt:

Vollkommen unabhängig von der Verhütung ist der Einsatz von Kondomen notwendig: Sie sorgen für den sicheren Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, insbesondere AIDS.

Das Kondom ist mit jeder anderen Form der Verhütung kombinierbar. Zur Erhöhung der Sicherheit – vor allem in jungen Jahren, wenn eine Schwangerschaft auf jeden Fall vermieden werden soll, und der Umgang mit dem Kondom manchmal misslingt – empfiehlt sich die Formel:

Pille + Kondom = Schutz vor Schwangerschaft + Schutz vor AIDS

Im Folgenden können Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, welches das richtige Verhütungsmittel für Sie ist.

Welche Verhütungsmethode passt zu mir?

Welche Verhütungsmethode passt zu mir?

Bevor Sie sich für eine Methode entscheiden, sollten Sie überlegen, wie hoch Ihr Sicherheitsbedürfnis ist, und sich die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden vergegenwärtigen.

Wieviel Sicherheit brauche ich?

Wenn man über Verhütung nachdenkt, dann sollte man auch gleichzeitig an den Kinderwunsch denken und sich eine Reihe von Fragen stellen:

  • Möchte ich – grundsätzlich – ein Kind?
  • Möchte ich in absehbarer Zeit schwanger werden?
  • Oder lasse ich mir mit einer Schwangerschaft noch ein wenig Zeit?
  • Gibt es einen gewissen Zeitrahmen, in dem ich schwanger werden möchte?

Über diese Fragen sollten wir bei Ihrem Besuch in meiner Praxis reden.

Wenn Sie sich dann zur Verhütung entschlossen haben, dann hilft der sogenannte Pearl-Index beim nächsten Schritt – bei der Wahl der richtigen Verhütungsmethode. Er dient zum Vergleich der Versagerquoten unterschiedlicher Verhütungsmaßnahmen:

Pearl-Index = Zahl der ungewollten Schwangerschaften pro 1000 Frauen, die je 1 Jahr verhüten

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr liegt der Pearl-Index bei 600–800, d.h., dass ca. 600–800 von 1000 Frauen, die nicht verhüten, in einem Jahr schwanger werden.

Verhütungsmittel mit hoher Sicherheit
Pille 0,2–0,5 2–5 von 1000 Frauen, die 1 Jahr die Pille einnehmen, werden ungewollt schwanger
Vaginalring oder Verhütungspflaster 0,3–0,9
3–9 von 1000 Frauen, die 1 Jahr den Vaginalring oder ds Verhütungspflaster verwenden, werden ungewollt schwanger
Minipille/ Dreimonatsspritze
0,3–3
3–30 von 1000 Frauen, die 1 Jahr die Minipille einnehmen oder eine Dreimonatsspritze erhalten, werden ungewollt schwanger
Kupferspirale
0,3–3
3–30 von 1000 Frauen, die 1 Jahr eine Kupferspirale verwenden, werden ungewollt schwanger
Verhütungsmittel mit sehr hoher Sicherheit
Implantat 0,0–0,3 0–3 von 1000 Frauen, die 1 Jahr lang mit einem Implantat verhüten, werden ungewollt schwanger
Hormonspirale Mirena 0,1–0,3 1–3 von 1000 Frauen, die 1 Jahr lang mit einer Hormonspirale verhüten, werden ungewollt schwanger
Hormonspirale Jaydess 0,1–0,3 1–3 von 1000 Frauen, die 1 Jahr lang mit einer Hormonspirale verhüten, werden ungewollt schwanger
Sterilisation 0,01–0,1 0–1 von 1000 Frauen werden 1 Jahr nach der Sterilisation ungewollt schwanger
Verhütungsmittel mit niedriger Sicherheit
nur Kondom 3–3,6 30–36 von 1000 Frauen werden trotz Kondomverhütung in 1 Jahr schwanger
Temperaturmethode 1–3
10–30 von 1000 Frauen werden in 1 Jahr schwanger, wenn sie mit der Temperaturmethode verhüten
Zyklusbeobachtung
15–20
150–200 von 1000 Frauen werden in 1 Jahr schwanger, wenn sie mittels der Zyklusbeobachtung verhüten
Berechnung der fruchtbaren Tage nach Knaus-Ogino 15–20 150–200 von 1000 Frauen werden in 1 Jahr schwanger, wenn sie nach Knaus-Ogino verhüten
Diaphragma 2–6 20–60 von 1000 Frauen werden trotz Verwendung eines Diaphragmas in 1 Jahr schwanger
Spermizide 2–6 20–60 von 1000 Frauen werden trotz Verwendung eines Spermizids in 1 Jahr schwanger
Verhütungscomputer 1–3 10–30 von 1000 Frauen werden in 1 Jahr schwanger, wenn sie mittels eines Verhütungscomputers verhüten
Cyclotest mit Urinteststäbchen zur Verbesserung der Zykluskontrolle 1–3 10–30 von 1000 Frauen in 1 Jahr schwanger, wenn sie den Cyclotest als Ergänzung zur Zyklusbeobachtung verwenden
Langzeitverhütung – Einteilung der Verhütungsmittel nach zeitlichen Aspekten
Sterilisation endgültige Entscheidung (bei Frauen Refertilisierung nur in 30–50 % erfolgreich)
Hormonspirale Mirena/Kyleena Liegedauer bis zu 5 Jahren
Hormonspirale Jaydess Liegedauer bis zu 3 Jahren
Kupferspirale Liegedauer bis zu 5 Jahren
Implantat Liegedauer bis zu 3 Jahren
Dreimonatsspritze Wirkdauer 3 Monate
Flexible Verhütung

Für Frauen, die keine Langzeitverhütung wünschen, aber dennoch eine hohe Sicherheit brauchen, bieten sich hormonelle Kontrazeptiva an, denn nach Absetzen der Pille kann eine Schwangerschaft rasch eintreten.

Für Frauen, die nicht täglich an die Pilleneinnahme denken möchten, bieten sich der Vaginalring oder das Verhütungspflaster an. Der Ring liegt drei Wochen und wird dann für eine Woche entfernt, das Pflaster wird einmal pro Woche gewechselt, nach drei Wochen gibt es eine pflasterfreie Woche.

Die transdermale bzw. vaginale Applikation hat außerdem gesundheitliche Vorteile - weniger Leberbelastung und niedrigere Dosis.

Vor- und Nachteile einer Verhütung mit einer Spirale

Die Verhütung mit einer Spirale hat Vor- und Nachteile.

Vorteile

Eine zwei Mal im Jahr stattfindende Kontrolle (gynäkologische Untersuchung mit Abstrichentnahme und Sono-Lagekontrolle) ist ausreichend. Es muss nicht täglich an die Verhütung gedacht werden. Bei einer Kupferspirale gibt es keine hormonelle Veränderung. Selbst bei einer Hormonspirale ist die hormonelle Wirkung auf den Körper minimal.

Nachteile

Es kann Komplikationen geben, Blutungsstörungen und Infektionen der Gebärmutter, und die Einlage kann unangenehm sein.

Vor- und Nachteile einer hormonellen Verhütung

Die hormonelle Verhütung hat Vor- und Nachteile.

Vorteile

Die Monatsblutung ist stabil berechenbar und z. B. auf Wunsch verschiebbar. Sie verläuft meist schmerzfreier, regelmäßiger und schwächer als ohne Hormone. Eine hormonelle Verhütung kann Akne sehr verbessern, den Haarwuchs optimieren und zwar dahingehend, dass Haarausfall und störende Behaarung, z. B. im Gesicht, vermindert wird.

Nachteile

Es gibt auch Kontraindikationen bei der hormonellen Verhütung. Bei der Pille ist Vorsicht bei Raucherinnen und Frauen, die älter als 35 Jahre sind, geboten. Des Weiteren kann eine Thrombose – auch bei familiärer Thrombosebelastung – auftreten. Der  Bluthochdruck muss beobachtet werden.

Bei Frauen, die keinen festen Partner haben, oder nur zu seltenen Gelegenheiten ein Verhütungsmittel benötigen, bietet sich das Kondom an, eventuell mit einem spermiziden Vaginalzäpfchen oder ‑gel kombiniert, um die Sicherheit zu erhöhen. Mit dieser Methode sind Sie auch vor sexuell übertragbaren Erkrankungen weitestgehend geschützt.

Die „Pille danach”

Dies ist als Notlösung gedacht. Die „Pille danach” muss in den ersten 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden und verhindert durch zwei kurz aufeinanderfolgende hohe Hormondosen den Eisprung bzw. den Transport eines Eies in den Eileitern. Sie wirkt allerdings auch nur für dieses eine Mal und nicht für den ganzen Zyklus.

Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Blutungsstörungen auftreten. Nicht in jedem Fall ist die Einnahme der „Pille danach” erforderlich, denn es gibt unfruchtbare Tage. Für Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Hormone einnehmen dürfen, gibt es noch die Möglichkeit, eine Spirale nach einem ungeschützten Verkehr einzusetzen.

Tabelle mit Zebra=zebra_simple